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Die Balearen und vor allem Ibiza haben derzeit mit einer ungebremsten Vermehrung von Schlangen zu kämpfen. Bei uns bekommt ihr wie immer alle wichtigen Infos übersichtlich zusammengefasst.
Eine fast 2 Meter große Schlange ist wohl nicht das erste Tier, mit dem man beim Baden vor Ibiza rechnet. Genau das kommt aber inzwischen vor: In den vergangenen Jahren wurden rund um Ibiza mehrfach Hufeisennattern im offenen Meer beobachtet. Eine neue Studie zeigt nun, dass die invasiven Tiere offenbar nicht nur an Land ein Problem sind, sondern auch zu kleineren Nachbarinseln schwimmen.
Für Badegäste klingt das erstmal ziemlich unheimlich; gefährlich ist es aber in der Regel nicht. Die Hufeisennatter ist ungiftig und für Menschen ungefährlich, solange man sie nicht anfasst oder bedrängt. Dass man ihr beim Schwimmen begegnet, bleibt außerdem eher unwahrscheinlich. Für das Ökosystem der Balearen ist die Entwicklung allerdings deutlich ernster.
Forschende vermuten, dass die Tiere auf der Suche nach Nahrung neue Lebensräume erschließen. Auf Ibiza sind Mauereidechsen, eine wichtige Beute der Hufeisennatter, mancherorts bereits stark zurückgegangen. Deshalb könnten die Schlangen auf kleinere Eilande ausweichen, auf denen es noch mehr Beute gibt. Zwischen 2015 und 2025 wurden mindestens 14 unabhängige Sichtungen von Schlangen im offenen Meer rund um Ibiza bestätigt.
Das Problem: Auf den Pityusen, also Ibiza, Formentera und den vielen kleinen umliegenden Inseln, leben einzigartige Echsenarten, die sich über Millionen Jahre eigenständig entwickelt haben. Laut Studie sind auf zehn kleinen Inseln bereits sämtliche Mauereidechsen verschwunden. Erst kürzlich wurde die Ibiza-Mauereidechse von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft.
In den letzten Jahren erleben die Balearen und insbesondere Ibiza generell eine ungewöhnlich starke Ausbreitung invasiver Schlangenarten, allen voran aber die Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis), die mittlerweile nicht nur in Wäldern und Gärten, sondern auch an Stränden, in urbanen Bereichen und wie gesagt sogar im Meer gesichtet werden.
Die Tiere können bis zu 1,60 Meter lang werden – auf den Balearen wurden sogar besonders große Exemplare mit über 1,80 Metern gemeldet. Im Vergleich zu den Nachbarinseln Mallorca und Formentera ist Ibiza aktuell besonders betroffen, mit Hunderten gefangener Exemplare
Die Wurzeln des Problems reichen bis in die frühen 2000er zurück, als immer mehr dekorative Olivenbäume aus Südspanien auf die Inseln gebracht wurden – mitsamt Eiern oder Jungschlangen im Wurzelballen. Während das anfangs kaum auffiel, fanden die Tiere auf Ibiza ideale Lebensbedingungen vor: keine natürlichen Feinde, warme Temperaturen und jede Menge Futter in Form von Eidechsen, Mäusen und Vögeln. So kam es, dass sich vor allem die Hufeisennatter explosionsartig verbreitete.
Erste Sichtungen gab es schon vor über 15 Jahren, doch seit 2016 beobachten Behörden und Umweltschützer die Entwicklung intensiver. In den Jahren 2022 und 2023 wurden auf Ibiza rund 2.000 Exemplare gefangen – auf der kleineren Nachbarinsel Formentera knapp 900. Mallorca ist ebenfalls betroffen, allerdings bislang in geringerem Ausmaß.
Die Tiere sind vor allem in Gärten, Parks und in der Nähe von Olivenhainen aktiv, vereinzelt aber auch in Siedlungen oder Hotelanlagen aufgetaucht. Für großes Aufsehen sorgten jüngste Sichtungen im Meer – unter anderem nahe Portinatx. Offenbar schwimmen manche der Tiere gezielt zu kleinen Felseninseln oder geraten auf der Suche nach Nahrung ins Wasser.
Wer Schlangen grundsätzlich vermeiden will, sollte in bewaldeten oder steinigen Gegenden besser auf den Wegen bleiben, langes Gras meiden und bei Spaziergängen geschlossene Schuhe tragen. Vorsicht ist auch beim Heben von Steinen oder Holzstapeln geboten – hier könnten sich Tiere verstecken.
Kommt es doch zu einer Begegnung, gilt vor allem: ruhig bleiben. Die Hufeisennatter ist ungiftig und greift nicht an, solange sie sich nicht bedroht fühlt. Abstand halten, das Tier keinesfalls anfassen und der örtlichen Polizei oder Umweltbehörde melden – das hilft nicht nur dem eigenen Sicherheitsgefühl, sondern auch der Beobachtung und Eindämmung der Plage.
Die balearische Regierung hat ein umfangreiches Bekämpfungsprogramm gestartet, das unter anderem Lebendfallen mit Mäusen als Köder umfasst. Auf Ibiza und Formentera wurden allein dieses Jahr mehrere Hundert Fallen installiert. Auch das spanische Umweltministerium unterstützt mit Personal, Fahrzeugen und zusätzlicher Ausrüstung. Ziel ist es, die Ausbreitung einzudämmen – eine vollständige Ausrottung gilt allerdings als unrealistisch. Für Urlauber gilt: ruhig bleiben, auf Hinweisschilder achten, Distanz wahren und Sichtungen melden – das eigentliche Problem trifft das empfindliche Insel‑Ökosystem.
🏴☠️ Fazit: Für Urlauber auf Ibiza besteht kein Grund zur Panik. Eine Hufeisennatter im Meer zu sehen, bleibt ungewöhnlich, und gefährlich sind die Tiere für Menschen nicht. Für die Natur der Balearen ist die Entwicklung aber alarmierend: Die eingeschleppten Schlangen breiten sich weiter aus, schwimmen offenbar sogar zu kleineren Inseln und setzen dort einzigartige Eidechsenarten massiv unter Druck. Und übrigens: Selbst bei uns kann man in Seen einer Schlange begegnen; meist handelt es sich dann um die (ungefährliche) Ringelnatter.