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Pripyat - eine Stadt 30 Jahre nach dem Totalversagen

Ein Deal von , 15. Apr. 2016 16.30 Uhr

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Am 26. April 1986 kam es zu einer Katastrophe, die wohl für immer im Kollektivgedächtnis der Menschheit bleiben wird. 30 Jahre nach der Atom-Katastrophe ist es rund um den zerstörten Reaktor immer noch ruhig. Jedoch wird inzwischen die Population einzelner Tierarten größer und auch die Vegetation vermittelt den Eindruck, als wäre nie etwas gewesen. Doch der Schein trügt.

Noch Jahre später leiden Menschen unter den Spätfolgen des Reaktor-Unglücks im ukrainischen Tschernobyl. Wenige Kilometer davon entfernt liegt die Arbeiterstadt Pripyat, in der zum Großteil Menschen lebten, die beruflich mit dem Atomkraftwerk zu tun hatten. Heute ist vom einstigen quirligen Leben nichts mehr übrig geblieben. Pripyat ist seit der Katastrophe eine Geisterstadt. Von jetzt auf gleich mussten alle ihr Hab und Gut zurücklassen. Diejenigen, die den Ernst der Lage falsch einschätzten, starben wenig später an den starken Strahlungen, die vom verunglückten Reaktor 4 ausgingen.

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Immer wieder bekommen Fotografen Sondergenehmigungen, um dort einzigartige Aufnahmen zu schießen. Inzwischen nimmt die Natur Pripyat ein und die Gebäude fallen nach und nach in sich zusammen. Doch beim Anblick der Fotos läuft einem immer wieder aufs Neue ein kalter Schauer den Rücken runter. Heute ist der Ort Anlaufstelle für viele Sensations-Touristen, die sich magisch angezogen fühlen von Katastrophen-Orten. Obwohl der Geigerzähler Jahre nach dem Unglück immer noch beunruhigend stark ausschlägt, wollen Menschen die Geisterstadt hautnah erleben. Im Jahr 2009 waren es etwa 7.500 Besucher. 2015 sollen es bereits Millionen gewesen sein -Tendenz steigend. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen geführte Touren für Besucher angeboten werden.

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1986, kurz bevor das Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte, lebten knapp 50.000 Menschen in der blühenden Arbeiterstadt. Davon waren ca. 15.000 Kinder. Pripyat wurde errichtet, um den Angestellten eine Bleibe in der Nähe ihrer Arbeitsstätte zu bieten. Die Kleinstadt liegt direkt am gleichnamigen Fluss Pripyat und befindet sich lediglich 4 Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Außerdem liegt sie in der unbewohnbaren 30-Kilometer-Zone, die das Gelände rund um den Atommeiler umfasst. Besonders verstörend sind die Bilder, die sich ins Gedächtnis geprägt haben. Besonders schaurig ist der Anblick des Vergnügungsparks, der ursprünglich am 01. Mai 1986 eröffnet werden sollte. Doch die Geschichte belehrt uns eines Besseren. Erst 1 Tag nach der Katastrophe, am 27.04.1986, wurde Pripyat evakuiert. Für die meisten Einwohner bereits viel zu spät.

Die kontaminierte Zone wird heutzutage streng bewacht und ist ohne Erlaubnis nicht zu betreten. Nur wenige Menschen leben noch in der Region. Dazu gehören vor allem Wissenschaftler, Armeemitglieder und illegale Bewohner. Ca. 4.000 Menschen arbeiten im und am Kernkraftwerk, jederzeit im Schichtbetrieb, damit weitere Folgeschäden vermieden werden können. Die nächsten 300 Jahre wird Pripyat und die Umgebung unbewohnbar bleiben. Viele Teile des Gebiets sind noch nicht dekontaminiert.

Pripyat - eine Stadt 30 Jahre nach dem Totalversagen

2017 soll ein neuer Sarkophag her. Denn der alte steht unmittelbar vor dem Einsturz. Das hätte schlimme Folgen. Mehr als 200 Tonnen geschmolzenes Brennmaterial und radioaktiver Staub befinden sich im Inneren der Ruine. Fällt eines Tages die marode Konstruktion zusammen, dann hätte das auch Konsequenzen für West-Europa. Um diesen Worst-case zu vermeiden, wird an einem neuen Sarkophag gearbeitet, der ca. 2 Milliarden Euro kosten wird und das größte mobile Bauwerk der Welt darstellt. Darunter hätte sogar die Pariser Kathedrale Notre Dame genügend Platz. Das Problem dabei ist, dass niemand so recht weiß, wer das ganze Projekt und dessen Instandhaltung bezahlen soll. Und wer während der Schulzeit in Chemie ein wenig aufgepasst hat, weiß, dass Uran und Plutonium beständiger sind als jedes noch so gigantische Bauwerk. Kurz: Das Atomkraftwerk wird die Menschen noch viele Jahrzehnte beschäftigen und uns immer wieder erneut mahnen.

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