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Mein Roadtrip durch die Südstaaten Teil 1: Atlanta, Alabama, Mississippi & New Orleans

Ein Deal von , 27. Apr. 2017 16.59 Uhr

Mein Roadtrip durch die Südstaaten Teil 1

Teil 1

Als alle anderen gerade damit anfingen, ihren Beachbody für den Sommer zu stählern, beschlossen mein Freund und ich, fett zu werden. Bei unserem nächsten Urlaub sollte es in das Land der Superlative gehen, ins Land der Monstertrucks und der Extraportion Bacon: Die USA

Und so traten wir Anfang April in Jogginghosen unsere 18tägige Reise an - mit dem festen Ziel vor Augen, uns durch die gesamten Südstaaten zu fressen.

Atlanta

Gebucht hatten wir vorab nur zwei Unterkünfte und unseren Mietwagen. Bei dem Mietwagen solltet ihr immer die paar Euronen für Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ausgeben, denn die Amerikaner könne nicht Autofahren - echt nicht. Unser Gefährt für den Roadtrip war ein Jeep Patriot - und ich kann jetzt schon verraten, dass er der einzige war, der während unserer Reise mehr fraß, als wir.

Unsere erste Unterkunft hatten wir vorab gebucht, da wir an diesem Tag erst spät landeten. Es handelte sich um ein Best Western Flughafenhotel in Atlanta. Die Fenster ließen sich, wie auch in keinem einzigen anderen Hotel, nicht öffnen. Lüften tut man in den USA mit der Klimaanlage! Als ich mein Frühstück, wie jedes andere Frühstück danach auch, mit Plastikbesteck von Papptellern aß, weinte irgendwo leise ein Greenpeace-Aktivist.

In Atlanta selbst interessierten uns die Sehenswürdigkeiten wenig, und so ging es für uns fast direkt in Richtung Süden. Fast. Einen Abstecher machten wir nämlich noch in das ca. 55 km entfernte Dörfchen Senoia. Auf den ersten Blick hat dieser Ort neben einer baufälligen Tankstelle und zwei, drei Shops wenig zu bieten. Senoia kann aber mehr: Es handelt sich hier nämlich um den Originaldrehort der Serie „The Walking Dead“. Bereits auf der Hinfahrt kamen uns die von Bäumen dicht umwachsenen, engen Landstraßen, die zum Dorf führen, bekannt vor. Ich fuhr vorsichtig, denn ich rechnete jeden Moment damit, dass ein Zombie auf die Fahrbahn humpeln würde. Viele der Gebäude des Ortes wurden bereits in verschiedensten Szenen der Serie verwendet und sind sofort wiederzukennen. Wer genau wissen will, wo was gedreht wurde, bucht sich im Walking Dead Cafe die „Big Zombie Walking Tour“. Highlight der Tour war für mich ganz klar das Dorf Alexandria, in dem die Heldinnen und Helden der Serie in Staffel 6 leben. Alexandria selbst darf man zwar nicht betreten, aber am aus der Serie nur allzu bekannten Blechzaun entlanggehen und Fotos schießen kann man. Im Zentrum gibt es außerdem noch einen Fanshop mit einem Walking Dead Museum mit Originalrequisiten der Serie.

Das fiktive Dorf Alexandria in Senoia

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In einem Diner in Senoia aßen wir dann auch unseren ersten, originalen Südstaaten-Lunch: Mac ’n Cheese und Bohneneintopf. Dort kamen wir dann auch das erste Mal in den Genuss der berühmten „Southern Friendliness“ als man uns während des Essens vier Mal nach unserer Zufriedenheit fragte und zweimal Gottes Segen wünschte. Beim Essengehen in den USA solltet ihr beachten, dass der Preis, der auf der Speisekarte steht, noch nicht der Endpreis ist - Steuern werden noch extra dazugerechnet und auch ein Trinkgeld von mindestens 15-20% wird erwartet.

Alabama & Mississippi

Auf der Fahrt zum Mississippi (dem Fluß), fuhren wir durch Alabama und Mississippi (den Staat). Hier schlängelten wir uns auf Landstraßen durch abgelegene Dörfer und wurden sofort mit der knallharten Armut in den ländlichen Teilen des Südens konfrontiert, die mir sehr in Erinnerung geblieben ist und mich auch im Nachhinein noch bedrückt. Ich wusste bereits vorher, dass viele Leute in Trailern leben, die Trailer sind jedoch nicht das unterste Ende der Nahrungskette: Alabama und Mississippi sind nur so mit verfallenen Trailern und Häusern in unmöglichen Zuständen gespickt. Das Schlimmste: In diesen Ruinen leben teilweise noch Menschen. Die Armut wird in den ländlichen Teilen besonders sichtbar. Oft ist es außerdem immer noch so, dass in den abgewrackten Trailern Schwarze leben und sich schöne Häuser in gepflegten Stadtteilen anscheinend fast nur Weiße leisten können.

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Landschaftlich beeindruckend wird’s sobald ihr den Mississippi-River erreicht. Von unserer Zwischenstation in Vicksburg aus hatten wir einen phänomenalen Ausblick auf den 3778km langen Fluss, der 160km südlich von New Orleans in den Golf von Mexico mündet (Danke Wikipedia). Vicksburg war ein strategisches Ziel für einen Zwischenhalt, ist aber als eigenes Reiseziel eher uninteressant. Wir entdeckten dort aber einen Straßenmarkt, wo unter anderem Einsiedlerkrebse mit bunt bemalten Muschelschalen fürs Terrarium verkauft wurden (und irgendwo fluchte ein zweiter Greenpeace-Aktivist zurecht).

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Great River Road

Als wir der Great River Road Richtung Süden folgten, stellten wir zu unserer Verwunderung fest, dass es, zumindest auf unserem Streckenabschnitt, an der Road nicht viel River gab. Trotz mehrmaliger Versuche näher am Fluss zu fahren, ließ sich der Mississippi auf dieser Fahrt kaum blicken. Erst als wir in New Orleans eintrafen, sahen wir ihn wieder, doch da war es uns bereits egal, denn wir waren in New Orleans.

New Orleans

New Orleans ist ein teures Pflaster. Für zwei Übernachtungen im Zweierzimmer im Hostel, das übrigens die einzige andere Unterkunft war, die wir vorweg gebucht hatten, haben wir über 300€ bezahlt. Ein Besuch zahlt sich aber auf jeden Fall aus. Hier trifft man auf eine einzigartige Kombination an Lebensfreude und Musik, die aber natürlich nicht zuletzt dem florierenden Tourismus geschuldet ist. Man kann kaum durch eine Straße gehen, ohne dass auf einem der Balkone ein spontanes Jazz-Konzert abgehalten wird und man über 10-15 Betrunkene stolpert. Zudem fand während unseres Aufenthalts das French Quarter Festival statt, bei dem die ganze Woche lang direkt am Mississippi (da war er dann endlich wieder, der Fluss) den ganzen Tag lang Gratiskonzerte stattfinden. Charakteristisch für New Orleans sind die bunten Plastik-Perlenketten, die sich Feiernde gegenseitig umhängen. Diese schmücken folglich auch die ganze Stadt und hängen als bunter Schmuck an so gut wie jedem Baum in der Umgebung. Am Pier holten wir uns, direkt aus dem kalten Frühling Europas kommend, dann gleich unseren ersten Sonnenbrand.

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French Quarter Festival am Mississippi

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In New Orleans taten wir dann endlich wieder was für unsere Bikini-Nicht-Figur: Seafood-Gumbo, frischen Fisch oder süße Köstlichkeiten wie Louisiana Lost Bread gibt es hier an jeder Ecke! Zum Essen gibt es im Süden überall „Sweat Tea“ dazu. Das Getränk ist unserem Eistee nicht unähnlich, nur dass die ungesüßte Version nach gar nichts schmeckt und die gesüßte Version so überzuckert ist, dass sich einem die Zehennägel hochrollen. Eine gute Lösung ist hier, abwechselnd einen Schluck vom eigenen ungesüßten Getränk und einen vom gesüßten des Partners zu nehmen. Dies ist aber wiederum der Beziehung nicht unbedingt zuträglich.

Lousiana Lost Bread

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New Orleans betitelt sich selbst (wie auch einige andere Städte in den Südstaaten) als die „Most Haunted City“ im ganzen Land. Voodoo- & Vampirgeschichten sowie Poltergeister inklusive! Wir haben zum Beispiel den Lafayette Cemetery besucht, auf dem unter anderem die Serie „The Originals" gedreht wurde und an einer „Free Ghost Walking Tour“ teilgenommen. Diese Free Walking Tours, bei denen ihr zahlt, soviel euch die Führung wert war, kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen, da ihr hier Ecken der Gegend zu sehen bekommt, zu denen ihr sonst nie kommen würdet und nebenbei noch interessante Details zur Stadtgeschichte erfahrt. Todesmutig gingen wir nach der Tour gleich in ein „haunted“ Restaurant. Auf der Gästetoilette fiel mir fast das Herz ins Klo als unter der Tür hindurch eine Hand nach meinem Fuß tastete. Ich dachte schon der Poltergeist aus dem Spülkasten sei gekommen, um mich zu holen, aber jemandem aus der Nebenkabine war nur die Klopapierrolle davongerollt.

Sumpfgebiet nahe New Orleans

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Im Süden findet man fast überall Eidechsen vor

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Ende Teil 1. Im zweiten Teil, der nächste Woche erscheint, berichte ich euch von meiner Reise durch Florida, dem Besuch einer Millionärsinsel, einem vom Erdboden verschluckten Dorf uvm.!

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