Entspannung im Gefängnis - in Südkorea bezahlt man, um hinter Gitter zu kommen und die Leute sind begeistert

Ein Deal von , 12. Dez. 2018 6.20 Uhr

Dem Alltagsstress hinter Gittern entkommen

Südkorea ist ein Land für sich, das ist allseits bekannt, aber jetzt kommt es sogar noch besser: neuerdings lassen sich Menschen in Südkorea freiwillig im Gefängnis einsperren und bezahlen hierfür sogar noch Geld. Klingt zu verrückt, um wahr zu sein? Auf keinen Fall, denn in Südkorea ist das Gefängnis ein Zufluchtsort vor dem täglichen Leben.

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© Kim Hong-Ji/Reuters

Hinter Gittern - im Zufluchtsknast

Ganz so dramatisch ist es dann doch nicht. Die Einrichtung "Prison inside me" gibt es seit 2013 und dabei handelt es sich dann doch nicht um ein "echtes" Gefängnis mit "echten" Verurteilten, dass wäre dann sogar den Südkoreanern ein Tick zu viel. Das Wort "Luxus" ist hier trotzdem an der falschen Stelle. Denn wie in jedem Gefängnis gibt es auch hier Regeln, die strickt befolgt werden. Falls nicht, naja, dann wird man vermutlich rausgeschmissen und in die Freiheit wollen die Sükoreaner offensichtlich nicht entlassen werden.

Es ist absolut verboten, mit den anderen "Mitgefangenen" zu sprechen. Es herrscht absolutes Smartphone-Verbot - der digital Detox wartet auf euch - und Uhren gibt es auch nicht, denn Zeit spielt hier keine Rolle. Nur eine Sache: zur Ruhe kommen.

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Minimalismus pur

"In diesem Gefängnis verspüre ich Freiheit!" so das etwas widersprüchliche Statement der 28-jährigen Büromitarbeiterin Park Hye-ri, die sich hier eine Nacht für schlappe $90 gönnt. Das sind umgerechnet ungefähr 79€ für die man eine Banane und einen Shake zum Abendessen und einen Reisbrei zum Frühstück, sowie eine karge Zelle, die zwar eine Toilette hat aber als Bett nur eine Matte auf dem Boden und ein kleines Kissen bietet, bezahlt. Oben drauf gibt es noch Tee, einen Stift und ein Notizbuch und man ist alleine mit sich und seinen Gedanken. Das mag für den ein oder anderen hart sein, kann jedoch auch unglaublich entspannend wirken.

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Abseits der normalen Welt

Mitbegründerin des Gefängnishotel ist Noh Ji-Hyang. Sie wurde von ihrem Ehemann zu der Idee inspiriert. Ein Staatsanwalt mit einer 100-Stunden Arbeitswoche. Lasst euch das auf der Zunge zergehen.

100 Stunden.

In Südkorea keine Seltenheit. Die von der technischen Entwicklung angetriebene Arbeitswelt in Südkorea erwartet viel von ihren Arbeitnehmern. Vielleicht schon ein bisschen zu viel, wenn nur noch ein Gefängnisaufenthalt vor dem sicheren Burnout rettet? Mittlerweile hat die Regierung zumindest das Arbeitspensum von durchschnittlich 68 Stunden pro Woche auf 52 reduziert. Dennoch sind das ganze 12 Stunden mehr pro Woche auf der Arbeit, als bei uns Deutschen im Durchschnitt. Das "Prison inside me" bleibt trotzdem für seine Gäste geöffnet und bietet ihnen, mit Mediation vor dem Schlafengehen, absoluter Stille und dem Verbot jeglicher Technik, einen Zufluchtsort.

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Bei den harten Arbeitsbedingungen in Südkorea vermutlich doch eine Wohltat. Was denkt ihr? Könntet ihr euch eine oder gar mehrere Nächte im "Prison inside me" vorstellen? Würdet ihr hier wirklich abschalten können, oder wäre das dann doch eine Stufe zu hart für euch? Wir sind auf eure Meinung gespannt und sagen bis dahin, ahoi und Segel setzen!


von Daniela Krieger